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Kurzgeschichte

Tim sitzt auf einem Hocker an der Theke einer leeren Bar. Es war einmal seine Lieblingsbar. Theke, Tische, Hocker und Stühle waren aus Kirsch- oder Walnussholz – auch heute strahlten sie eine warme, einladende Atmosphäre aus. Etwas weswegen Tim den Laden so mochte. Dazu waren die Kellner, Barkeeper und der Besitzer verflucht töfte Dudes gewesen. Seit einem Monat war die Bar schon nicht mehr geöffnet gewesen. Wo sie wohl waren. Wie es ihnen gerade ging.
Vor ihm stand ein Glas. Er hatte es sich genommen und zu Zweidrittel mit seinem Lieblingshiskeys gefüllt. Getrunken hatte er allerdings noch keinen Tropfen. Er schwelgte gedanklich in der Vergangenheit, die ihm heute wie ein goldenes Zeitalter vorkam und nebenbei fuhr sein Finger durch die Staubschicht des Tresens. Er schrieb mit schnellen Schwüngen „Sau“ in diese. So hatte es eine seiner Ex-Freundin bei ihm immer im Regal gemacht – eine scherzhafte Ermahnung mal etwas ordentlicher oder erwachsener zu werden oder wahrscheinlich sogar beides. Von ihr wusste er, dass sie kein Jahr nach ihrer Trennung in die Pampa von Schweden gezogen war.
Gab es von dort auch diese komischen Meldungen – er konnte sich nicht erinnern. Er hatte nie ein großes Faible für Nachrichten gehabt. Als sie dann immer nur noch Berichte über komische Vorfälle gebracht haben und warnt ohne zu sagen warum, da hatte er begonnen ganz darauf zu verzichten.
Hier in Mitteleuropa war es über Jahre ruhig geblieben. Die komische Vorkommnisse begangen in Australien und Neuseeland. Schnell wurden diese Länder abgeschottet von der Welt. Danach Südamerika, Mittelamerika und schließlich Nordamerika. Das geschah über zwei Jahre hinweg, danach Ruhe. Das Leben auf der restlichen Erde lief einfach weiter.
Es gab immer noch keine öffentliche Stellungnahme, was genau vorgefallen war. Dann fiel innerhalb von drei Monaten Japan. Wieder Ruhe für zwei Jahre. Dann auf einmal Peking, Seoul, Kapstadt und Lissabon. Null-Kontakt in die Regionen binnen achtundvierzig Stunden. Dann breitete es sich auf den Kontinenten langsam aus. Vor zwei Monaten ging dann der Kontakt zu Spanien verloren, zu allen Ländern unterhalb der Sahara und in Asien bis an die Grenzen des Irans. Die Regierungen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz beschlossen sämtliche Verkehrswege außerhalb dieses Raums einzustellen. Reisen innerhalb dieses Raums sollten auf das Notwendige begrenzt werden. Vor drei Wochen kam die Meldung über verlorenen Kontakt der deutsch-französischen Grenze näher.
Er erinnerte sich daran, wie seine Frau zu ihm kam und davon berichtete. Ihr Sohn studierte in Stuttgart, das lag näher an dieser Grenze als sie im Einzuggebiet von Passau. Sie machte sich Sorgen. Am Telefon war ihr Sohn immer ganz entspannt, es würde schon alles gut gehen. Vor zwei Wochen wurde dann die Grenze überschritten. Zwei Tage später war der Kontakt zu allem westlich von Stuttgart weg. Seine Frau vereinbarte einen Treffpunkt östlich von Stuttgart mit ihrem Sohn. Sie plante drei Tage hin und drei Tage zurück ein – schneller ging es nicht. Autobahnen waren seit dem Überschreiten der deutschen Grenze gesperrt für die Bürger. Wasser, Essen, Baseballschläger waren schnell eingepackt und sie fuhr los. Vor vier Tagen hätten die beiden zurück sein sollen. Seit sechs Tagen gab es keinen Kontakt mehr. Der Notfallplan sah vor, dass er vier Tage wartete und dann zu einem anderen Treffpunkt fahren sollte. Dieser Tag war heute.
Bei ihm in der Stadt hatte es vor fünf Tagen begonnen. Als erstes fielen die Mobilfunknetze aus. Dann das Internet. Tim schaltete daraufhin alle Geräte ab. Packte sein Handy in eine Tasche mit einem faradäyschem Käfig – doppelt gemoppelt hält besser. Seine Frau und er hatten zwei davon für jedes Familienmitglied vor ein paar Jahren gekauft, um das eine oder andere Wochenende mal total ungestört beim Wandern verbringen zu können. Vorräte hatte er genug.
Vor drei Tagen sah er dann durch Fenster wie fünf Menschen sich auf eine seiner Nachbarinnen stürzten, die mit ihrem Smartphone in der Hand rum lief. Sie wurde umgerissen, dass Gerät zerstört und dann fingen sie an sie zu beißen. Jeder der Fünf nahm zwei oder drei bissen und verschwanden in Richtung der nächsten Kreuzung, wobei sie einen Mann umrannten und einfach weiter liefen, wie ihr würden sie ihn nicht wahrnehmen. Seit dem hat er weiter beobachtet. Am nächsten Morgen war die Leiche der Frau weg. Sehr mysteriös, wo diese fünf Menschen doch anscheinend nach der Zerstörung de Smartphone und dem Tod der Frau kein Interesse mehr an ihr hatten.
Vor zwei Tagen traute er sich in die Garage. Das Tor stand offen und die Schaltanlage mit dem Funk-Transmitter war total zerstört. Könnte es sein, dass die Menschen von etwas befallen wurden, dass sie aggressiv auf Übertragungssignale hat werden lassen. Es machte den Eindruck auf ihn. Er hatte also aus seinem alten Golf das Radio ausgebaut und war über glücklich, dass es in seinem Wagen ansonsten nichts gab, was mit Funk arbeitet. Dann hatte er ihn mit dem nötigsten Beladen – Wasser, Essen und zwei volle Kanister Benzin. Natürlich war auch ein Rucksack verstaut worden, falls er dann doch irgendwann das Auto liegen blieb.
Bis vor acht Stunden hatte er Beobachtungen und Tests gemacht, die seine Theorie bestätigten, dass die Infizierten auf Funkwellen reagierten. Dabei hatte er auch gemerkt, dass sie aggressiver geworden waren. Beim letzten Radiowecker hatten zwei von Ihnen einen der ihren zerfleischt und verspeist. Tim schüttelte sich bei dem Gedanken an das Gesehene. Danach hatte er den Apparat hinter sich gebastelt und etwas geschlafen. Er würde ihm hoffentlich etwas Zeit verschaffen, um mit dem Auto aus der Stadt und auf die Landstraße zu kommen. In einer dicken Holzkiste hatte er drei Radiowecker und zwei alte leere Smartphones gebaut. Die Antennen der Radios kamen aus dem Deckel der Box heraus – es sollte also genug Transmission geben. Über eine Zeitschaltuhr würde der Kreislauf von Powerbank und Geräten nach dreißig Minuten geschlossen werden, die Radios würden direkt senden und Tim schätzte, dass ungefähr fünf Minuten später auch die beiden Mobiltelefone anfangen würden Funkwellen zu emittieren.
Er trank den letzten Schluck Whiskey . Überprüfte seine Kleidung, Messer, Axt und Autoschlüssel – alles am Platz. Sein Blick schweifte ein letztes Mal durchs Lokal. Zeit zu gehen. Er überprüfte seine Apparatur und startete den Timer, danach der Blick auf die Uhr 13:30 Uhr. Dann schlich er durch den Hintereingang hinaus. Rechts die Gasse lang, alle Haustüren waren geschlossen, alles sah verwaist aus. Links in die nächste größere Straße mit dem gleichen Bild, so ging es die nächsten vier Kreuzungen. Wieder links. Nach fünf Häusern hielt er inne. Hatte er wirklich ein Kindergesicht im Fenster gesehen auf der Gegenseite? Er schaute rüber, nur ein Vorhang. Er ging weiter. Nach zwanzig Metern noch ein Blick zurück, der Vorhang bewegte sich. Hinter ihm an der Kreuzung auf einmal Krach, eine Mülltonne war umgeschmissen worden. Zwei dieser Infizierten hatten sie umgestoßen und suchten jetzt im Müll. Sie brauchen wohl allmählich Nahrung, dachte sich Tim. Er drehte sich um und schlich geduckt weg, er hatte kein Interesse an einer Konfrontation. Er wollte einfach nur herausfinden, ob es seiner Frau und seinem Sohn gut ging. An der nächsten Kreuzung noch einmal links und dann hieß es zwei Kilometer bis zum Stadtrand, dorthin hatte er das Auto gebracht. Die Strecke von der Querstraße, wo er wohnte, bis zum aktuellen Abstellort des Golfs waren achthundert Meter gewesen, die hatte er den Wagen langsam und vorsichtig nach dem Umbau dorthin geschoben. Ohne weitere Zwischenfälle war er angekommen und konnte einsteigen. Alles war noch so, wie er es hinterlassen hatte. Er ließ den Schlüssel ins Zündschloss gleiten. Er schaute auf die Armbanduhr – 13:53 Uhr. Er zwang sich zu Ruhe und Geduld. Er ging nervös die Route durch. Der Tank plus die beiden Kanister sollten für zweimal die Strecke reichen. Ab einem gewissen Punkt musste er sowieso aus dem Auto raus, da der Treffpunkt in den Bergen an der Grenze zu Tirol lag. 14:00 Uhr. 14:01 Uhr. Im Rückspiegel sah er, wie Infizierte sich hastig auf den Weg in die Innenstadt machten. Er ließ den Motor an. Plötzlich ein Klopfen an der Beifahrerseite. Tim zuckte vor Schreck zusammen und zog die Axt, bevor er seinen Blick zur Seite wand. Er sah in das Gesicht eines verängstigten Jungen. Er schaute sich schnell um. Legte die Axt beiseite, öffnete die Tür der Beifahrerseite und gab dem Jungen ein Zeichen schnell einzusteigen. Dieser sprang schnell in den Wagen, schloss die Tür wieder und verriegelte sie. Tim stieg aufs Gaspedal. Hatte er es also doch richtig mitbekommen.
„Hi. Mein Name ist Tim. Wie heißt du?“
„Hallo. Ich bin Michael. Danke, dass du mich mitnimmst. Du bist der erste Mensch, den ich seit Tagen gesehen habe, der noch normal ist.“
„Das tut mir Leid. Was ist mit deinen Eltern passiert?“
Michael schluchzte.
„Das weiß ich nicht. Erst ist Papa los gegangen, um nachzuschauen was los ist. Und dann ist Mama gegangen und hat Papa gesucht. Sie hat mir gesagt, dass ich still sein und mich verstecken soll. Aber beide sind nie zurück gekommen.“
„Das tut mir sehr Leid. Jetzt bist du nicht mehr alleine.“
„Hast du was zu trinken? Ich habe seit gestern nicht mehr zu trinken gehabt.“
„Hinter deinem Sitz findest du Wasser. Nimm dir eine Flasche und trink.“
Nach dem Michael etwas getrunken hatte, fing er an einzuschlafen. Echt schrecklich was dem Jungen widerfahren ist, dachte sich Tim. Er fuhr die Landstraßen entlang Richtung Ziel ohne besondere Vorkommnisse. Auf einem Hügel sah er einen Funkturm – er blieb auf dem höchsten Punkt der Straße stehen und schaute sich um, ob er irgendetwas sehen konnte, absolut kein Lebewesen zu sehen. Er ging das Risiko ein sein Handy zu starten. Es startete und fand sogar ein Netz. Er schaute auf die Uhr 17:23 – fünf Minuten, mehr nicht und dann wieder ausschalten und verstauen, wo es keinen Schaden anrichten kann. 17:25 Uhr – nichts.
17:27 Uhr – nichts. Gerade als er ausschalten wollte, vibrierte das Gerät. Eine Nachricht seiner Frau, zwei Tage alt.
„Sind fast am Ziel. Benutz dein Smartphone nur an abgelegenen Orten, Infizierte reagieren auf Funkwellen. Werden versuchen uns dort einen Unterschlupf zu bauen. Haben dich lieb.“
Seiner Familie ging es also gut. Das Handy war schon aus und wieder in seinem faradäyischem Käfig verstaut, als er rechts vom Auto am Fuß des Hügels mehrere Personen angerannt kommen sah. Er startete schnell den Wagen und fuhr los. Das war knapp gewesen. Er beschleunigte den Wagen weiter und raste die Landstraße entlang. In einer Stunde sollte er am Ziel sein und dann hieß es noch den Aufstieg in die Berge machen.
Die Kleinstadt Mittenwald war wie ausgestorben, hier und da konnte Tim ein paar Leichen sehen. Auf das Geräusch seines fahrenden Autos gab es keine Reaktion. So durchquerte er die Ortschaft und stellte sein Auto ab. Von hier aus hieß es zu Fuß weitergehen. Er weckte Michael und erklärte kurz den Plan. Dann stiegen sie aus. Aus dem Rucksack bekam Michael Tims Ersatzjacke, diese würde ihn gut warm halten. Dafür konnte Tim nun noch eine zusätzliche Plane mit einstecken. Michael bekam die Umhängetasche von Tim, in der bisher nichts war. Sie würde mit Verbandszeug und Essen gefüllt. Tim Griff die andere Umhängetasche, die bereits mit Essen und trinken gefüllt war. Dazu wollte er einen der Benzinkanister mitnehmen. Nach der Vorbereitung des Gepäcks stärkten sich die beiden mit Wasser und etwas Trockenfleisch, dann ging es zu Fuß Richtung Geisterklamm. Am Zugang zur Klamm musste Tim feststellen, dass der Wanderweg rund um die Klamm abgesperrt war. Anscheinend hatte es einen Erdrutsch gegeben, der den Weg blockierte. Blieb also nur der schmale Steg durch die Klamm.
„Wir müssen jetzt diesen Steg dort drüben lang. Er ist nass und wir müssen gut aufpassen auf dem Weg nach oben. Hier hast du eine Stirnlampe, damit wir etwas sehen können. Du geht vor und ich bin direkt hinter dir. Bleib ruhig und werde nicht hastig. Verstanden?“
„Ja, aber es wird doch schon dunkel. Wollen wir nicht lieber warten?“
„Wo sollen wir warten? Im Auto? Ich habe keine Ahnung wie es hier in der Stadt und Umgebung aussieht mit Infizierten. Uns bleibt daher nichts anderes übrig.“
Michael nickte kurz mit seinem besorgten Gesicht.
„Wir gehen jetzt auf den Steg und machen erst nach hundert Metern oder so das Licht unserer Lampen an. Ok?“
„Ja, Tim.“
„Dann los.“
Die beide kletterten über die Absperrung zum Klammsteg und machten sich an den Aufstieg durch die Klamm. Kaum hatten sie etwas hundert Meter hinter sich gebracht, tippte Tim auf Michaels Schulter. Dieser machte daraufhin genauso wie Tim selbst das Licht ihrer Stirnlampe an. Der Steg war stellenweise sehr rutschig, doch die beiden kamen gut vorwärts. Es dauerte zwar länger als Tim gehofft hatte, dennoch hatten sie den Steg hinter sich gelassen und liefen in eine Barrikade. Hier war tatsächlich hastig eine Barrikade hochgezogen worden, die den weiteren Weg bergauf versperrte. Komisch, dachte sich Tim. Doch dann hörte er Stimmen auf der anderen Seite.
„Da sind zwei Lichter die Klamm hochgekommen und stehen auf der anderen Seite. Hol mal noch paar Leute her, damit wir das prüfen können.“
„Ok, bin unterwegs.“
Tim gab Michael ein Zeichen still zu sein.
„Hallo. Hört mich jemand?“
Keine Antwort.
„Ich habe sie eben gehört. Ich und mein Junge suchen einen Platz zum übernachten und morgen müssten wir weiter, da wir in den Bergen verabredet sind.“
„Können die sich nicht beeilen“, wurde auf der anderen Seite geflüstert.
Es verging fast eine halbe Stunde, als sich eine große Menge Menschen der Barrikade näherte.
„Mach das Gerät an.“
Etwas klickte. Tim verlor allmählich die Geduld.
„Könnten wir jetzt mal offen reden? Mir und meinem Jungen ist kalt, wir sind jetzt seit acht Stunden unterwegs und sind hier in den Bergen mit der restlichen Familie verabredet. Lassen sie uns bitte durch und geben uns die Chance auszuruhen. Essen und Trinken haben wir selbst.“
„Es können keine Infizierten sein, das Radio sendet und die bleiben ruhig.“
„Dann mach es jetzt wieder aus, bevor wir was anlocken.“
„Okay.“
„Entschuldigen sie bitte die Wartezeit, wir müssen unsere Gemeinschaft schließlich schützen.“
„Das verstehe ich, könnten sie uns dann bitte hereinlassen.“
Auf der anderen Seite wurden Teile der Barrikade verschoben und eine kleine Lücke öffnete sich, durch die Tim und Michael hindurch schlüpfen konnten. Auf der anderen Seite standen dreißig Menschen, darunter seine Frau und sein Sohn. Tim brach in Freudentränen aus, als er sie sah.

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Anna huschte durch die Schatten der Wohnblöcke. In der Sonne war es schon seit Mai unerträglich. In ihrem Rucksack hatte sie Lebensmittel für anderthalb Tage, die sie als Lohn für ihre Arbeit im Supermarkt erhalten hatte. Der Schatten wurde immer schmaler. Sie setzte zu einem Sprint an, um die sechzig Meter freie Fläche zum Schatten des nächsten Hochhauses zu überqueren. Von dort an hieß es nur noch Schatten bis nach Hause. Kaum in diesem Schatten angekommen reduzierte sie ihre Geschwindigkeit wieder. Sie zog ihre Trinkflasche aus der Hüfttasche und nahm einen kleinen Schluck Wasser, dann verstaute sie die Flasche wieder. Sie bog in den nächsten Hauseingang ab, hier hatte die Tagesmutter ihres Sohns Kevin ihre Tagesstätte im Keller. Dort war es angenehm und die Kinder konnten spielen. Sie klopfte an die Tür im zweiten Untergeschoss. Anna konnte das Geräusch der spielenden Kinder durch die Tür hören. Das Schloss klickte und die Tür ging auf.

„Hallo Anna.“

„Hallo Michaela. Ich möchte Kevin abholen.“

„Klar. Kevin, kommst du, deine Mutter ist da. Wie lief es im Supermarkt heute?“

„Nicht so gut. Durch die Rationierungen kommen diese Woche wieder weniger Lebensmittel als angefordert.“

„Hört sich an, als würden die Zeiten noch schlechter werden.“

Kevin drückte sich an Michaela und der Tür vorbei und schlang seine Arme um die Beine seiner Mutter.

„Tschö Michaela. Bis morgen.“

„Bis morgen, Kevin.

Michaele tätschelte kurz den Kopf von Kevin.

„Bis morgen, Michaela. Hab noch einen schönen Tag.“

„Danke, du auch. Bis morgen früh.“

Anna und Kevin stiegen die Treppen hinauf zum Erdgeschoss.

„Hattest du einen schönen Tag mit den anderen Kindern?“

„Jaa, Mama.“

„Das freut mich. Gibt es irgendetwas Besonderes zu erzählen?“

„Nein. Ich freue mich drauf die anderen Kinder morgen wieder zu sehen.“

„Das denke ich mir. Und jetzt schauen wir, dass wir schnell nach Hause kommen.“

Kevin nickte. Die beiden verließen das Gebäude und gingen die hundert Meter bis zu ihrem Hauseingang. Mit dem Aufzug fuhren sie in die zwölfte Etage hoch, in der sich ihre Wohnung befand. Hier war es bereits warm. Anna schloss die Wohnungstür auf und die beiden schlüpften in den Flur hinein. Der Blick auf das Thermometer im Flur zeigte Anna eine Temperatur von 28 Grad Celsius. Verdammt warm in der Wohnung für Ende Juni. 

„Geh dich umziehen.“

„Okay, Mama.“

Anna ging in die Küche und verstaute die Nudeln, das Trockenfleisch, den halben Laib Brot und die vier großen Flaschen Wasser. Danach prüfte sie die Vorräte. Sie hatte jede Menge Nudeln und Trockenfleisch, allerdings zu wenig Wasser. Hoffentlich konnte sie morgen etwas mehr Wasser als Lohn aushandeln. Nach dem sie sich umgezogen hatte, spielte sie zusammen mit ihrem Sohn bis zum Abend.

Kevin beschwerte sich schon nicht mehr darüber, dass es seit Wochen nur Nudeln mit Trockenfleisch zum Abendessen gab. Anna hätte ihm gern mehr geboten. Seit der Gesetzesänderung im vergangenen November durfte in der Zeit von April bis Oktober kein frisches Fleisch mehr angeboten werden. Das hatte dazu geführt, dass die Schlachtereien nun sämtliches Fleisch direkt dörrten und es dann in den Verkauf gaben. Obst und Gemüse war im letzten Jahr aufgrund der nochmals geringeren Ernte so teuer geworden, dass es sich nur noch vermögende Menschen leisten konnten. Für achtzig Prozent der Bevölkerung bedeutete es günstige Nahrungsergänzungsmittel zu nutzen, um Mangelerscheinungen zu vermeiden. Anna hatte sich damals daher direkt einen kleinen Vorrat angelegt.

Gegen 22:00 Uhr sprang die Klimaanlage an, sie würde jetzt so lange laufen, wie die gespeicherte Überproduktion des Tages ins Netzt eingespeist würde. Auch bei Energie galt seit Jahren bereits eine Rationierung für private Haushalte und nicht systemrelevante Firmen. Durch digitale Energiezähler und Chips in jedem Gerät war es möglich von extern zu steuern, wann ein Gerät lief. Anna ging in den Flur und schob die mit Sand gefüllten Kisten vor die Tür. Keine absolute Sicherheit und dennoch das Einzige, was sie zum Schutz ihrer Familie tun konnte. Gegen Mitternacht fing das Gepolter im Haus an, in den letzten Wochen hatte es begonnen, nächtliche Streifzüge von Gangs. Bisher waren sie noch nie bis zu ihnen auf die Etage gekommen. Diese Gruppen überfielen nachts Wohnungen und plünderten Wasser und Nahrungsmittel. Kevin schlief deswegen schon mit Ohrschützern, so bekam er davon nichts. Anna selbst hatte allerdings nur einen sehr unruhigen Schlaf.

Der alte Batteriewecker klingelte um 7 Uhr. Anna stand auf und weckte Kevin, nach dem sie kurz auf der Toilette war. Danach wuschen sich beide mit Waschlappen und zogen sich an. Das dann folgende Frühstück bestand aus Brot und Trockenfleisch. Gegen 8 Uhr ging es dann los zur Tagesmutter, von der Annas Weg zum Supermarkt führte. Sie ging zum Personaleingang und wunderte sich, dass der Inhaber direkt die Tür öffnete, nach dem sie geklingelt hatte.

„Hallo Frau Schneider. Ich habe leider schlechte Nachrichten.“

„Hallo Herr Westhoff. Wieso, was ist passiert?“

„Ich habe vor zehn Minuten den Anruf bekommen, dass wir keine Ware erhalten. Das Lebensmitteldepot am Stadtrand, was für die Belieferung aller Supermärkte der Stadt zuständig ist, wurde letzte Nacht geplündert. Deswegen kann ich ihnen heute weder Arbeit noch Bezahlung anbieten.“

„Und wie sollen die Menschen überleben?“

„Ich weiß es nicht. Angeblich soll es morgen wieder Lieferungen geben. Das Depot, sowie alle Transporte werden wohl ab sofort von Kampfdrohnen begleitet, um Plünderer abzuwehren. Kommen sie einfach morgen wieder vorbei und wir sehen, wie es dann ausschaut. Tut mir wirklich leid, Frau Schneider.“

„Alles okay, Herr Westhoff. Sie können nichts dafür. Bis morgen dann.“

„Bis morgen.“

Die Tür fiel wieder ins Schloss. Anna war geschockt. Ihre Leitungswasserration könnte mit Glück über den Tag helfen, allerdings würde es dann heute auch wieder Brot mit Trockenfleisch geben. Betrübt zog sie wieder in Richtung ihrer Wohnung ab. Glücklicherweise war Kevin bis heute Nachmittag bei der Tagesmutter, so dass sie genug Zeit hatte sich Gedanken zu machen. Vielleicht viel ihr noch etwas ein, wie sie ein oder zwei Flaschen Wasser bekommen konnte. Sie bemerkte kaum, wie sich die Wege in der Siedlung plötzlich wieder leerten. Dann drang der Lärm der Schüsse an ihre Ohren. Sie war fast zuhause. Die Schüsse kamen näher. Sie rannte ins Haus und auf die Aufzüge zu, doch die Knöpfe zum Rufen der Aufzüge blieben dunkel und stumm. So ein Mist, dachte sie, jetzt auch noch zwölft Etagen zu Fuß nach oben laufen. Es blieb ihr nichts anderes übrig. Also stieg sie Etage um Etage die Treppen nach oben. Auf ihrer Etage angekommen, trat sie vom Treppenhaus auf den Flur und schaute auf die Tür der Eckwohnung am Ende der Etage. Plötzlich kam ihr ein Getuschel vom Winter in Erinnerung, dass dort wohl ein Preper leben sollte. Sie fasste sich ein Herz und schritt den Flur entlang. Wie auf jeder Etage gab es auch hier zwölf Wohnungen, elf normale und eine große Eckwohnung. Zwischen ihrer Tür und der Eckwohnung gab es drei weitere Türen. In dem Moment, wo sie ihre Wohnungstür erreicht hatte, stoppte sie kurz. Sollte sie wirklich einen Fremden um Hilfe fragen? Eigentlich sollten sie über den Tag kommen und es wäre nicht nötig. Dann kam der Gedanke hoch und was ist, wenn es morgen wieder keine Lieferung gibt. Die tägliche Wasserration reichte nicht für Kevin und sie. Sie atmete tief ein. Wenn sie auf Nummer sicher gehen wollte, dann blieb ihr nichts anderes übrig. Mit dem Haustürschlüssel in der Hand ging sie zur Tür der Eckwohnung und klopfte. Ihr Herz raste. Es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis sie ein Geräusch hinter der Tür hörte.

„Wer ist da?“

„Hi. Ich bin Frau Schneider aus 12.8“

„Was möchten sie?“

„Ich würde gerne mit ihnen über ein Tauschgeschäft sprechen.“

Sie hörte, wie der Schlüssel im Schloss gedreht wurde. Die Tür ging auf und sie konnte den Bewohner zum ersten Mal sehen. Ein großer Kerl, der trotz Rationierung noch gut genährt aussah und sie jetzt von oben nach unten musterte.

„Was brauchen sie?“

„Wasser. Zwei oder vier Flaschen für meinen Sohn und mich.“

Lautes Getöse aus dem Treppenhaus klang an ihr Ohr. Ungewöhnlich für tagsüber.

„Gegen gewisse Gefälligkeiten kann ich ihnen das Wasser geben.“

Anna schluckte. Ihr war direkt klar, was von ihr erwartet wurde.

Die Tür des Treppenhauses flog auf und zwei Gestalten traten in den Flur.

„Hier sind welche in der 12. Etage, kommt schnell nach.“

Der Mann aus der Eckwohnung schob sie beiseite und Anna schluckte, als sie in seiner Hand eine Pistole sah. Die Angreifer hatten mit so etwas nicht gerechnet. Sechsmal drückte er ab, dann lagen die beiden Gangmitglieder tot auf dem Boden.

Er richtete den Blick wieder auf Anna.

„Du hast zwanzig Sekunden dich zu entscheiden, du gibst mir, was ich gerne hätte. Dafür kriegst du Schutz und Wasser oder du rennst schnell ohne Wasser in deine Wohnung und hoffst, dass sie die Etage oder deine Wohnung auslassen. Die Uhr läuft.“

Annas Blick wandert zwischen dem Mann und ihrer Wohnungstür hin und her.

„Deine Entscheidung – jetzt.“

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Jenny trat von der Reling zurück. Mitten auf dem Atlantik war es so schön und ruhig, wie sie sich es erhofft hatte. Dennoch war ihre Laune seit zwei Tagen getrübt. Der Kontakt zum Festland war abgebrochen. Keine Verbindung nach Europa oder Amerika. Sie ging zurück auf die Brücke, wo ihr Freund Gustav gerade Wache schob.

„Gibt es etwas neues?“

„Nein. Mach dir keine Sorgen, es wird an Land schon alles gut sein.“

„Und warum kriegen wir dann keinen Kontakt über Funk oder Satellitentelefon?“

„Schatz, ich weiß es nicht. Allerdings möchte ich deswegen auch nicht direkt von etwas Schlechtem ausgehen. Vielleicht ist einfach etwas ausgefallen.“

„Hoffentlich.“

Sie schmiegte sich an ihn und er nahm sie fest in den Arm.

„Ich komme gleich mit dem Essen hoch“, rief eine weibliche Stimme aus dem unteren Deck herauf. Sie gehörte Nine. Sie und ihre Partnerin Lisa waren Freunde von Jenny und Gustav.

Jenny drehte sich mit dem Kopf Richtung Treppe um.

„Ist okay, wir sind beide auf der Brücke.“

Danach legte sie ihren Kopf wieder an Gustavs Schulter. Einige Minuten vergingen, bevor Nine und Lisa mit vier Tellern die Treppe heraufkamen. Bei der aktuell ruhigen See war dies auch kein Problem. Die vier setzten sich an den kleinen Tisch auf der Brücke und aßen dort ihre Spaghetti mit Soße. Die ersten sechs Tage ihrer Reise wurde noch viel gelacht. Seit dem der Kontakt abgebrochen ist, hat sich das geändert. Sie versuchten sich gegenseitig aufzumuntern, dennoch wog die Ungewissheit nach zwei Tagen einfach zu schwer. Wenn das Wetter ihnen weiter so gewogen wäre, dann sollten sie in vier Tagen in den Hafen von New York einfahren. Lisa fing an über die Pläne der vier in New York und die Weiterfahrt an der Ostküste zu sprechen. Doch Gustav winkte schnell ab.

„Lisa, lass uns einfach abwarten, was uns in New York erwartet. Ab da schauen wir dann weiter.“

„Okay – es war ja nur ein Versuch die Stimmung etwas aufzuheitern.“

„Ich weiß.“

Jenny stand auf und sammelte Teller und das Besteck ein. Dann verschwand sie die Treppe runter Richtung Kombüse. Gustav überprüfte die Monitore und den Kurs des Autopiloten. Es gab keine Auffälligkeiten. 

„Gustav, sollen wir heute nochmal probieren, ob wir einen Kontakt herstellen können?“

„Unsere beiden Versuche heute waren erfolglos. Daher wollte ich es erst morgen wieder probieren, Nine.“

„Tagsüber haben wir wahrscheinlich auch eher Chancen jemand zu erreichen.“

„Hoffentlich“, seufze Lisa.

Bedrückt saßen sie zu dritt auf der Brücke und starrten raus auf die See, während es immer dunkler wurde. Nach einiger Zeit gesellte sich Jenny wieder zu ihnen. Gegen Mitternacht verließen Lisa, Jenny und Gustav die Brücke, um sich in ihren Kabinen hinzulegen. Nine hatte die erste Wachschicht des neuen Tages und blieb alleine zurück.

Fünf Stunden später kam Jenny zurück. Es war Zeit für sie die Wache auf der Brücke zu übernehmen.

„Hi Nine. Ist alles gut bei dir?“

„Hallo Jenny. Ich bin müde und freu mich auf die Koje. Konntest du was schlafen?“

„Nicht wirklich. Ich bin immer wieder wach geworden, da ich schlecht geträumt habe.“

„Bleibt das aus, bei dieser Ungewissheit?“

„Wahrscheinlich nicht. Gab es irgendwelche Vorkommnisse in den letzten Stunden?“

„Nein, absolut gar nichts. Der Autopilot fährt den festgelegten Kurs bei gewünschter Geschwindigkeit. Was soll da schiefgehen. Das Wetter scheint weiter so gut zu bleiben.“

„Normalerweise wäre es also eine schöne Atlantik-Passage.“

„Ja. Ich leg mich jetzt hin.“

„Mach das. Bis später.“

Nine verließ die Brücke in Richtung ihrer Kajüte. Jenny blieb zurück und absolvierte ihre Schicht auf der Brücke. Die Stunden verstrichen langsam und die Gedanken von Jenny wurden immer dunkler. Gegen neun Uhr kam Gustav dann schon auf die Brücke und brachte Frühstück in Form von eine Müsli-Milch-Gemisch mit.

„Guten Morgen.“

„Guten Morgen. Du bist früh dran.“

„Ja. Ich konnte nicht mehr richtig schlafen nach dem du aufgestanden bist. Daher habe ich mir gedacht, ich steh auf und bring dir Frühstück.“

„Ich danke dir. Wirklich nett.“

„Und, ist irgendetwas in den letzten Stunden passiert?“

„Nein, alles ruhig.“

„Dann lass uns frühstücken, bevor ich mal eine Runde übers Deck drehe und schaue, ob draußen alles okay ist.“

Jenny nickte und die beiden setzten sich an den Tisch um zu essen. Obwohl das Müsli nichts Besonderes war, machte es richtig satt. Gustav drehte seine Runde übers Deck und konnte danach berichten, dass alles in Ordnung ist. Er ging ans Funkgerät und versuchte Kontakt zu einem Hafen zu bekommen. Fehlanzeige. Danach versuchte er auf anderen Frequenzen in Verbindung mit anderen Schiffen zu kommen. Einmal bekam er ein verzerrtes und mit viel Rauschen belegtes Signal eines anderen Schiffes rein, allerdings konnte er nichts verstehen, so schlecht war die Übertragung. Nun war das Satellitentelefon dran. Bei allen Nummern kam die Ansage, dass der Teilnehmer zur Zeit nicht erreichbar sei. Das kam ihm merkwürdig vor.

„Jenny, ich glaube, dass irgendetwas passiert ist. Egal bei wem ich es probiere, es ist kommt immer die Information, dass der Teilnehmer zur Zeit nicht erreichbar ist. Die letzten beide Tage gab es noch Freizeichen und jetzt scheinen alle Leitungen tot zu sein.“

„Was soll denn passiert sein?“

„Irgendetwas was die Kommunikation lahmgelegt hat oder die Stromversorgung.“

„Das macht mir jetzt Angst, Gustav.“

„Kann ich mir vorstellen, allerdings habe ich keine andere Idee.“

„Lass uns später mit Nine und Lisa darüber sprechen.“

„Okay.“

Den restlichen Vormittag verbrachten die beiden aneinander gekuschelt auf der Brücke. Während Gustav immer ein Auge auf die Monitore hatte.

Gegen 14 Uhr tauchten Nine und Lisa dann auf der Brücke auf. Schnell wurden sie über die Ergebnisse der versuchten Kontaktaufnahme in Kenntnis gesetzt. Beide hatten leider auch keine anderen Ideen als Gustav zu einer möglichen Ursache. Der restliche Tag verlief ohne weitere besonderen Vorkommnisse.

Der nächste Tag startete wie die vorherigen. Es wurde versucht Kontakt aufzunehmen und alle Versuche scheiterten. Der einzige Unterschied war, dass sie an diesem Tag drei so stark verzerrte Signale von anderen Schiffen empfangen. Allerdings war es aufgrund der schlechten Signalqualität nicht möglich ein Gespräch aufzubauen. Die Laune der vier wurde weiter schlechter und die Sorgen und Ängste immer größer. Gegen Abend wurde sich entschieden, zwei Matratzen und alle Decken auf die Brücke zu holen, damit keiner mehr alleine auf der Brücke seine Wacht halten brauchte. So verbrachten die vier die nächsten Tage die meiste Zeit zusammen, was die Gefühlswelt von allen etwas stabilisierte.

Es war der letzte Tag der Überfahrt nach New York, als das Wetter umschlug. Über die letzte Nacht waren immer mehr Wolken aufgezogen und am frühen Morgen hatte ein leichter Nieselregen eingesetzt. Gegen 12 Uhr hätten sie bei gutem Wetter eigentlich Long Island am Horizont sehen sollen, so dauerte es weitere anderthalb Stunden. Der immer stärker gewordene Regen und die immer tiefer hängenden Wolken setzten die Sicht auf unter einen Kilometer herab.

„Ich drossele jetzt unsere Geschwindigkeit, damit wir versuchen können mit dem Feldstecher etwas an Land zu sehen. Seid ihr damit einverstanden?“, fragte Gustav.

Die drei Frauen nickten stumm. Er ging an die Steuerkonsole und änderte die Geschwindigkeit des Autopiloten auf ein Viertel der Ursprungsgeschwindigkeit. Nine hatte sich den Feldstecher geschnappt und hielt ihn vor die Augen, um zu sehen, was an der Küste geschah. Sie brauchte einige Sekunden, bis sie das Bild scharf gestellt hatte. Sie konnte ein paar Häuser am Stand erkennen, in denen Licht brannte. Für sie sah das alles normal aus. Der Rest der Gruppe warf nach und nach auch einen Blick aufs Ufer, konnte allerdings auch nichts Ungewöhnlichesfeststellen. Allmählich hörte der Regen auch wieder auf und die Wolken begannen sich langsam nach Norden zu verziehen. Es machte den Anschein, als sollten die vier doch noch einen schönen Tag erleben. Gustav, der hin und wieder mit dem Feldstecher gen Land schaute, wurde auf einmal wieder unruhig.

„Ist euch schon aufgefallen, dass wir noch kein Flugzeug gesehen haben. Seitdem wir an Long Island fast vorbei sind.“

Jenny, Nine und Lisa schüttelten den Kopf. Die drei hatten nicht mehr auf die Küste geachtet, sondern sich versucht zu entspannen, nach dem sie nichts Auffälliges am Strand gesehen hatten.

Jetzt schauten sie nervös in den Himmel. Lisa brach das Schweigen.

„Ich sehe keine Flugzeuge. Allerdings müssten welche zu sehen sein, da in der Nähe der Flughafen JFK ist.“

Die Stimmung brach wieder ein. Die Motoryacht begann mittlerweile die Einfahrt in die Bucht von New York. Die Blicke der vier wanderten Richtung Manhattan Island. Der Anblick war verstörend. Im Hafen waren Frachtschiffe gekentert und an fast allen sichtbaren Wolkenkratzern waren deutlich Brandspuren zu erkennen. Total geschockt sahen sich die vier gegenseitig an. Als der Motor der Yacht auf einmal seinen Dienst quittierte, fingen die drei Frauen an zu schreien.

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