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M.A.M.E.

Einleitung

Ich schreibe diesen Artikel nicht als flammendes Hurra auf die Retro-Welle, sondern möchte auf der einen Seite die eine oder andere technische Möglichkeit beschreiben und auf der anderen Seite meine ganz persönliche Perspektive teilen.
Ich selbst beschäftige mich erst seit einem knappen Jahr mit Retro Gaming, da ich gerne das eine oder andere Spiel von früher mal wieder gerne spielen möchte. Im Rahmen dieses Vorhaben habe ich mir im letzten November einen originalen Gameboy mit den Spielen Tetris und Super Mario Land gekauft. Irgendwann kam dann noch Paperboy dazu.

Retro Hardware

Der Hersteller Retro Games Ltd. hat es sich seit Jahren zur Aufgabe gemacht diverse alte Videospiel-/Computersysteme als Retroausgabe zu veröffentlichen. Bisher zählen dazu diverse Editionen des C64, zwei Editionen des Spectrum, den A500 mini, den A400 Mini, den A1200 mini und den Vic 20. In der Regel sind diese Retroversionen mit einer ausgewählten Anzahl von Klassiker on Board ausgestattet, so dass nach dem Anschließen direkt los gespielt werden kann.
Zu The A500 mini und The C64 mini hat mein Co-Autor bei diesem Artikel, Holger Weßling, Guides veröffentlicht, die bei den ersten Schritten mit den Geräten unterstützen können.

Emulatoren

Bisher bin ich in meinem Leben nur mit zwei Emulatoren in Kontakt gekommen – Mame und RetroArch. An Mame kann ich mich nur entfernt erinnern, da es eine gefühlte Ewigkeit her ist. RetroArch nutze ich erst in den letzten sechs Monaten.

M.A.M.E. – Die ultimative Arcade-Maschine für zu Hause
von Holger Wessling

Die Faszination der klassischen Spielhallen ist ungebrochen. Blinkende Automaten, unverkennbare Sounds und das unvergleichliche Gefühl, eine Münze einzuwerfen. Genau diese Magie bringt nicht nur mir M.A.M.E. den Multiple Arcade Machine Emulator“ direkt auf meinen Bildschirm. Ich nutze das Programm selbst intensiv und aktualisiere meine Version immer wieder, um die unzähligen neuen Möglichkeiten und Spiele zu erleben, die fortlaufend hinzugefügt werden.

Was genau lässt sich mit M.A.M.E. alles machen?

Der Name ist Programm. Die Software emuliert Tausende von Arcade-Platinen bis auf die kleinste Hardware-Ebene. Das primäre Ziel des Projekts ist die Erhaltung der Videospielgeschichte. Originale Platinen verfallen im Laufe der Jahrzehnte und elektronische Bauteile geben den Geist auf. Durch die exakte Nachbildung der Hardware in Software bleiben die Klassiker der 70er, 80er und 90er Jahre dauerhaft erhalten.

Dabei geht der Fokus längst über Arcade-Automaten hinaus. Inzwischen sind unzählige Heimcomputer und Konsolen in das System integriert worden. Die Auswahl an Titeln ist gigantisch. Ein weiterer unschlagbarer Vorteil: Die Software selbst und fast alles, was mit der reinen Nutzung zusammenhängt, ist völlig kostenlos.

Die ersten Schritte mit M.A.M.E.

Der Einstieg wirkt anfangs oft technisch, lässt sich aber klar strukturieren.

• Download: Die aktuellste Version steht auf der offiziellen Website (mamedev.org) zum kostenlosen Herunterladen bereit. Es existieren Fassungen für Windows, macOS und Linux.

• Installation: Die heruntergeladene Datei wird lediglich in einen dedizierten Ordner entpackt. Eine klassische Installation mit tiefgreifenden Systemänderungen findet nicht statt.

• Spieldaten beschaffen: M.A.M.E. ist lediglich der Emulator – vergleichbar mit einer leeren Konsole. Für den Betrieb werden die eigentlichen Spieldaten benötigt, sogenannte ROMs. Auf der offiziellen Entwicklerseite wird eine Auswahl an freigegebenen Arcade-Titeln legal und kostenlos zur Verfügung gestellt.

• ROMs einbinden: Heruntergeladene Spiele liegen als ZIP-Datei vor. Diese Dateien werden ungeöffnet in den Unterordner „roms“ im M.A.M.E.-Verzeichnis kopiert.

• Starten: Nach dem Start der ausführbaren Datei öffnet sich die grafische Benutzeroberfläche. Hier lassen sich die erkannten Spiele aus einer Liste auswählen. Ein Doppelklick oder ein Druck auf die Eingabetaste startet den jeweiligen Automaten.

• Bedienung im Spiel: Nach dem Spielstart wird in der Regel die Taste „5“ gedrückt, um den Münzeinwurf zu simulieren. Die Taste „1“ startet das Spiel für den ersten Spieler. Die Steuerung erfolgt standardmäßig über die Pfeiltasten sowie STRG, ALT und die Leertaste. Über die Tabulator-Taste lässt sich jederzeit ein internes Menü aufrufen. Dort können Tasten frei konfiguriert oder Bildeffekte aktiviert werden, welche die Optik eines alten Röhrenmonitors perfekt nachbilden.

Die Stärke der Community

Ein wesentlicher Pfeiler dieses Erfolgs ist die hervorragende Community. Weltweit arbeiten Entwickler, Historiker und Enthusiasten unermüdlich daran, neue Chipsätze zu entschlüsseln und Fehler in der Emulation auszubessern. Foren und Plattformen bieten schnelle Hilfe bei Konfigurationsfragen oder bei der Suche nach speziellen Anzeige-Filtern. Ergänzende grafische Benutzeroberflächen (Frontends) und stetige Datenbank-Updates werden von der Community kostenlos bereitgestellt und perfektionieren die Handhabung enorm.

Wie erfinderisch und engagiert diese Community ist, zeigt sich auch immer wieder an spannenden Hardware-Projekten – wie beispielsweise beim THEA500 Mini von Retro Games Limited. M.A.M.E. läuft auf dem THEA500 Mini zwar nicht nativ im Auslieferungszustand, da die kleine Retro-Konsole hardwareseitig eigentlich strikt auf Amiga-Spiele (via Amiberry/UAE) ausgelegt ist. Doch hier leisten findige Bastler ganze Arbeit: Durch Community-Modifikationen wie „RetroAami“ (eine speziell angepasste RetroArch-Distribution für den A500 Mini) lässt sich Retro-Software ganz bequem über einen einfachen USB-Stick nachrüsten. Plötzlich laufen dann auch M.A.M.E.-Cores auf dem Gerät und verwandeln die Amiga-Hommage in eine vielseitige, kleine Arcade-Maschine.

https://github.com/KMFDManic/RetroAami-Xtreme/releases

Mein Fazit

Ein Blick auf die stetige Entwicklung dieses Emulators lohnt sich immer. Die schiere Masse an unterstützter Hardware ist beeindruckend. Ich entdecke bei jedem Update wieder vergessene Perlen der Videospielgeschichte. Der Einstieg erfordert vielleicht einen kurzen Moment der Einarbeitung, belohnt im Anschluss aber mit der größten und faszinierendsten Spielhalle der Welt.

RetroArch

RetroArch ist ein Frontend-Interface über das unterschiedliche Emulatoren und Game Engines benutzt werden können, um die unterschiedlichsten Retro-Spiele spielen zu können. Das Programm wird seid 2012 als Open Source Projekt entwickelt bzw. weiterentwickelt und ist für Windows, Linux, MacOs, Android sowie iOS/iPadOS erhältlich.

Die Installation ist abhängig vom gewählten Betriebssystem z.B. auf dem Smartphone über den App Store bzw. F-Droid. Die jeweiligen Möglichkeiten sind auf der Seite, die im vorherigen Abschnitt verlinkt wurde, zu sehen.

Mit jeder Installation ist es möglich Doom, Wolfenstein 3D und Rick Dangerous kostenlos herunterzuladen, so dass direkt etwas mit Retroarch gespielt werden kann.

Getestet habe ich Retroarch mit den genannten Spielen plus Super Mario Land und Paperboy für den Gameboy auf jeder Plattform außer Windows. Bei den getesteten Spielen kam es zu keinen großen Herausforderungen und die Spiele konnten auf allen getesteten Plattformen entsprechend genoßen werden.
Die Gameboy-Spiele habe ich getestet, damit ich darauf verzichten kann meinen Gameboy mitzunehmen.

Bei fortgeschrittenen Tests mit zum Beispiel DOS- oder Amiga-Spielen kam es dagegen zu Schwierigkeiten, die ich bis zur Fertigstellung dieses Artikels nicht klären/beheben konnte. Unter diesen Problemen waren für die Amiga-Spiele, dass ich es nicht schaffen konnte die Kickstarter-ROMs zum laufen zu bekommen, und für DOS konnte ich bisher keine Ursache finden, warum einige Spiele nicht starteten.